Eine kleine Einführung in den Rugbysport
Von Horst Johr
 

Geschichte, Allgemeines
Dieser Sport wurde 1823 in der englischen Schulstadt Rugby von William Webb Ellis „erfunden“. Der Schüler der Rugby School nahm im Laufe eines Fußballspieles den Ball in die Hand und rannte damit davon.
In Deutschland wird Rugby seit der Gründung des Heidelberger Ruderklubs im Jahre 1872 in Vereinen gespielt. Der Deutsche Rugby-Verband wurde am 4. November 1900 in Kassel gegründet.
Bis 10. Januar 2005 hat Deutschland 251 Länderspiele ausgetragen, davon 110 gewonnen, 132 verloren und neunmal unentschieden gespielt. Allein gegen Frankreich wurden zwischen 1927 und 1993 39 Spiele verloren.

Einen großartigen Erfolg errang im Jahre 2002 die deutsche Siebener-Nationalmannschaft. Sie wurde bei der ersten Siebener-Europameisterschaft, die am 17. und 18. August in Heidelberg ausgetragen wurde, Dritter. Im Spiel um Platz drei bezwang sie Frankreich 19:7. Bei der zweiten Siebener-Europameisterschaft am 16. und 17. August 2003 ebenfalls in Heidelberg ausgetragen, belegte sie Platz vier. Im Spiel um Platz drei unterlag sie Georgien knapp 24:28.
Mit 20 Titelgewinnen ist der TSV Victoria Linden deutscher Rekordmeister. 1998, 1999, 2000, 2001 und 2002 wurde der DRC Hannover fünfmal in Folge deutscher Meister. 2003 verloren die Hannoveraner das Finale um die deutsche Meisterschaft gegen den SC Neuenheim mit 9:18. Damit sicherten sich die Heidelberger in ihrer 101jährigen Vereinsgeschichte zum achten Male den Titel. Auch 2004 gewann der SC Neuenheim den nationalen Titel durch einen 23:18-Endspielsieg erneut über den DRC Hannover. Mit elf Siegen ist der DSV von 1878 Hannover erfolgreichster Verein im Kampf um den Pokal des Deutschen Rugby-Verbandes. 2004 gewann die RG Heidelberg den Pokal.
Mit 50 Einsätzen im Nationaltrikot hat Horst Kemmling (TSV Victoria Linden) die meisten Länderspiele bestritten. Es folgt ihm Mark Kuhlmann mit 48 Einsätzen. Er ist der neue Co-Trainer der 15er-Nationalmannschaft, steht aber für Kurzeinsätze im Nationalteam immer noch einmal zur Verfügung. Nationaltrainer sind Rudolf Finsterer (15er) und Frank Nagel (7er).


Spielfläche
Die Spielfläche umfasst das Spielfeld (nicht mehr als 100 Meter lang und nicht breiter als 69 Meter) und die beiden Malfelder. Auf den Mallinien stehen Goals, deren Pfosten 5,60 Meter voneinander entfernt sind. Die Latte befindet sich in drei Meter Höhe.

Ball
Rugby wird mit einem ovalen Ball (28 - 30 cm lang, 400 - 440 g schwer, Umfang 58 - 62 cm) gespielt. Er ist deshalb oval, weil er von den Spielern beim Laufen besser getragen werden kann als ein runder Ball.

Spieldauer
Ein Rugbyspiel Erwachsener dauert 2 x 40 Minuten. Die Pause zwischen den beiden Halbzeiten ist auf fünf Minuten festgelegt. Während dieser Erfrischungspause verlassen die Mannschaften regelmäßig das Spielfeld nicht.

Mannschaft
Eine Mannschaft besteht grundsätzlich aus 15 Spielern. Es gibt inzwischen aber weltweit große Turniere, bei denen in den Mannschaften nur sieben Spieler eingesetzt werden (sog. 7er-Rugby). Die 15er-Mannschaften setzen sich aus acht Stürmern, zwei Halbspielern, vier Dreiviertelspielern und dem Schlussmann zusammen.
Der Sturm besteht aus drei Reihen.
Die Spieler der ersten Reihe tragen die Rückennummern eins bis drei. Es sind meistens untersetzte Spieler, die häufig mehr als 100 kg wiegen. Sie stehen im angeordneten Gedränge ganz vorn. Die Nummern vier und fünf sind für die beiden Zweite-Reihe-Stürmer vorgesehen. Im angeordneten Gedränge folgen sie - wie es ihre Bezeichnung schon aussagt - der ersten Reihe. Sie sollten die größten Spieler in der Mannschaft sein. Oft sind sie um zwei Meter groß. Ihnen obliegt beim Seiteneinwurf, der Gasse, die Eroberung des Balles.
Die Nummern sechs und sieben tragen die äußeren Spieler der dritten Sturmreihe. Ihnen obliegt neben Verteidigungsaufgaben überall auf dem Spielfeld die Unterstützung des Angriffs durch die Dreiviertelspieler. Auf dem Trikot des mittleren Spielers der dritten Sturmreihe befindet sich die Nummer acht. Er nimmt in der Mannschaft eine äußerst wichtige Position ein. Unter anderem stabilisiert er nicht nur das Gedränge sondern wirkt auch als Fänger in der Gasse.
Mit der Nummer neun spielt der Gedrängehalb. Nach einem angeordneten Gedränge kommt er als erster Spieler wieder mit dem Ball in Berührung und passt ihn zu den Dreiviertelspielern. Er steht also an der Schaltstelle zwischen Sturm und Dreiviertelreihe. Der Gedrängehalb ist oft ein recht kleiner, aber wendiger Spieler.
Der sogenannte Verbinder mit der Nummer zehn trifft alle spielstrategischen Entscheidungen, lenkt das Spiel und übernimmt oft die Kicks zu den Goalstangen. Er ist der Spielmacher des Teams. Bei den Dreiviertelspielern mit den Rückennummern elf bis vierzehn unterscheidet man zwischen den Innen- und Außendreivierteln. Die Innendreiviertel (zwölf und dreizehn) sind die mittleren Spieler der Dreiviertelreihe, gleichermaßen zuständig für die Durchführung der Angriffszüge und die ersten Verteidigungsschritte bei Ballbesitz des Gegners. Die äußeren Spieler der Dreiviertelreihe, die Außendreiviertel mit den Rückennummern elf und vierzehn sind äußerst schnelle Spieler. Sie legen im allgemeinen viele Versuche.
Mit der Nummer 15 spielt der Schlussmann. Er ist der letzte Mann in einer Mannschaft. Ihm obliegt unter anderem, gegnerische Kicks abzufangen und durchgebrochene gegnerische Spieler zu tackeln. Als freier Mann ist er auch nach vorne stürmender Spieler bei Dreiviertelangriffen seines Teams.

Ziel beim Rugbyspiel
Ziel des Rugbyspieles ist es, dass ein Spieler den Ball im gegnerischen Malfeld niederlegt (Versuch). Die Spieler müssen somit den Raum überwinden. Es ist nicht zulässig, dass der Ball nach vorn geworfen wird.
Raumgewinn kann deshalb nur auf vier verschiedene Arten erreicht werden:
-Durch überlaufen des Gegenspielers möglicherweise durch Körpertäuschung (Sidestep),
-durch einen kleinen Kick über den Gegner und Nachlaufen des Balltreters,
-dadurch, dass die angreifende Mannschaft versucht, durch Passen schräg nach hinten der gegnerischen Verteidigung auszuweichen und somit durch den Lauf des Balles über mehrere Stationen Raum zu gewinnen,
-dadurch, dass mehrere Spieler einander festhalten und versuchen, den Gegner in Richtung seines eigenen Malfeldes zu drücken.
Um den Raumgewinn eines Gegenspielers zu verhindern, gibt es nur die Möglichkeit des Tiefhaltens, des sogenannten "Tacklings". Jede andere Art, den Gegner zu stoppen, wie Beinstellen, Schlagen oder Halten am Hals, ist verboten.

Erfolge und Zählweise
Das höchste Ziel, das eine Rugbymannschaft anstrebt, ist, den Ball in das Malfeld des Gegners zu tragen und dort niederzulegen. Diesen Erfolg nennt man Versuch, der fünf Punkte einbringt. Es ist auch möglich, den Ball in das gegnerische Malfeld zu treten und den Versuch dadurch zu erzielen, dass ein Spieler der angreifenden Mannschaft eine Hand auf den dort liegenden Ball legt. Die Mannschaft, die den Versuch gelegt hat, kann zusätzlich versuchen, den Ball zwischen die Malstangen und über die Querlatte zu treten. Dieser Tritt erfolgt von der Stelle aus, an der sich die Parallele zur Seitenlinie und der Ort des gelegten Versuches kreuzen. Einen solchen Kick bezeichnet man als Erhöhung. Erfolgreich ausgeführt zählt er zwei Punkte.
Nach einem schwerwiegenden Regelverstoß wird ein Straftritt verhängt. Dieser darf entweder zum Angriff oder zum Raumgewinn oder aber wie bei der Erhöhung zu einem Tritt zu den Goalstangen genutzt werden. Bei Erfolg erhält die Mannschaft, die den Straftritt ausgeführt hat, drei Punkte. Eine allerdings noch härtere Ahndung eines Vergehens stellt der Strafversuch dar. Er soll der angreifenden Mannschaft zwischen den Malstangen zugesprochen werden, wenn ein Versuch wahrscheinlich erzielt worden wäre, aber durch Foulspiel des verteidigenden Teams verhindert wurde. Ebenso soll verfahren werden, wenn wegen Foulspiels der verteidigenden Mannschaft der Versuch wahrscheinlich an einer günstigeren Stelle erzielt worden wäre als dort, wo der Ball niedergelegt wurde. Wie ein regulär erzielter Versuch zählt der Strafversuch fünf Punkte und kann durch Erhöhung um zwei weitere Punkte aufgestockt werden.
Bei nicht so schwerwiegenden Verstößen kann ein Gedränge angeordnet werden. Das Gedränge ist die für das Rugbyspiel typischste Spielsituation. Wer an Rugby denkt, hat dabei sicherlich die aus meistens sechzehn Spielern (die acht Stürmer beider Mannschaften) bestehende "Schildkröte" vor Augen. Der Ball wird von dem Gedrängehalb des Teams, das den Regelverstoß nicht begangen hat, in den freien Raum zwischen den beiden Sturmformationen geworfen mit dem Ziel, dass ein Spieler den Ball mit den Füßen für seine Mannschaft gewinnt, und dieser dann durch die drei Sturmreihen nach hinten gehakelt wird. Am Ende des Gedränges nimmt ihn dann der Gedrängehalb auf und versucht, den Ball nutzbringend in seine Hintermannschaft zu passen.
Aus dem laufenden Spiel heraus darf jeder Spieler den Ball mit einem Sprungtritt ins Goal treten. Dabei muss der Ball zuerst den Boden und dann den Fuß des Spielers berühren. Gelingt dieser schwierige Tritt, wird die erfolgreiche Mannschaft mit drei Punkten belohnt.

Beim Rugby zählen somit
- der Versuch 5 Punkte
- die erfolgreiche Erhöhung 2 Punkte
- der Straftritt 3 Punkte und
- der Sprungtritt 3 Punkte.

Seitenaus und Gasse
Ebenso typisch wie das Gedränge ist für das Rugbyspiel die Gasse. Wie bei anderen Sportarten auch, wird das Spiel unterbrochen, wenn sich der Ball im Seitenaus befindet. Die Partie wird mit einer Gasse fortgesetzt, die der Schiedsrichter grundsätzlich dort anordnet, wo der Ball die Seitenauslinie überschritten hat. Eine Gasse wird von mindestens zwei Spielern jeder Mannschaft gebildet, die sich senkrecht zur Seitenauslinie in einfachen Reihen hintereinander aufstellen. Von der Seitenauslinie wirft ein Spieler der Mannschaft, die den Ball nicht ins Seitenaus gespielt hat, regelmäßig der Hakler (Nummer 2),den Ball gerade in den freien Raum zwischen den beiden Spielerreihen. Schräges Einwerfen stellt eine Regelwidrigkeit dar und wird abgepfiffen.

Links: www.rugby-club-krefeld.de